Chronik

"In diesem stattlich schönen Dorf Toblach ist ein aufgewecktes und musikalisches Völklein zu Hause", konstatierte wohl einer der größten Blasmusikkenner Tirol’s, Sepp Thaler, vor 25 Jahren, und seiner damaligen Bitte, der edlen Kunst und damit unserem lieben Heimatland Südtirol weiterhin zu dienen, ist die Toblacher Musikkapelle auf vorbildliche Weise nachgekommen.

Sechs junge Burschen begleiten die Schützen bei Prozessionen und zum Schießstand. Darunter auch der erst vierzehnjährige Sebastian Baur „Bindter“. Mit seinem musikfeindlichen Vormund ist er laut Chronik gezwungen „unter dem Bette und am Bachgriese“ zu üben. Das kleine Grüppchen wird bald mit 3 Schlaginstrumenten und einem Fagott erweitert. Die Musik ist in ihren Anfängen weitgehend rhythmusbezogen, erfordert daher auch keine Notenkenntnisse. Ihre Aufgabe ist es kirchliche und weltliche Anlässe zu umrahmen. 1825, zum Beispiel, spielen sie in Landro bei der Grenzinspizierung durch Kronprinzen Ferdinand.

Gründung im Jahre 1821

Zentrale Person in den Anfangsjahren der Kapelle bleibt immer der musikbegeisterte Wastl, dessen Volljährigkeit und damit verbundene Unabhängigkeit vom musikfeindlichen Vormund die Weiterentwicklung der Kapelle vorantreibt. Neue Instrumente werden gekauft, junge Musikanten ausgebildet und fleißig geprobt. Die Erweiterung des Instrumentariums, vor allem durch Melodieinstrumente, bringt auch eine Erweiterung des Repertoires mit sich. Nun werden auch Tanzmusik und Ständchen im konzertanten Stil zum Besten gegeben. Die Kapelle wird größer, sie wird aber vor allem klangvoller und flexibler im Spiel. Dies spricht sich auch in den benachbarten Gemeinden herum und ruft unterschiedlichste Reaktion hervor. Erhalten sie mancherorts für ihre lebendige Spielweise viel Beifall, werden sie andernorts laut Chronik aus Neid beim Abmarsch mit Steinen beworfen.

Die Musikkapelle entwickelt sich weiter

Mit dem Aufblühen des Fremdenverkehrs Mitte des 19. Jahrhunderts in Toblach wachsen auch die Aufgaben der Musikkapelle. Nun gilt es auch die zahlreichen Feriengäste, die in Toblach ihre Sommerfrische verbringen, zu unterhalten und neben den Platzkonzerten besondere Programmpunkte zu bieten. So spielen die Musikanten der Musikkapelle regelmäßig zur Unterhaltung der „guten und vornehmen“ Gäste im hauseigenen Pavillon des „Grand Hotel Toblach“, einem der renommiertesten Häuser dieser Zeit in Tirol. Positiv wirkt sich diese neue Aufgabe auf die Vereinskasse aus. Manch eine Saison läuft sogar so gut, dass die Überschüsse der Musikkassa den Mitgliedern ausbezahlt wird. Die Summe ist dabei nie so hoch, dass ein Mitwirken bei der Kapelle nur finanzielle Beweggründe haben könnte, aber es zeigt eine neue Facette und Entwicklung im Verein.

Musik für Kultur und Tourismus

Eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Vereins trägt der Kapellmeister. Manch einer bringt sich dabei nicht nur musikalisch ein, sondern setzt mit Engagement und viel Energie auch organisatorische Akzente. Um die Jahrhundertwende wird so ein Chronikbuch angelegt und die „Zillertaler Tracht“ angeschafft. Auch ein Feldstück, das nach Abzahlung eine fixe Einnahme durch die Pacht sichert, wird angekauft. Die anfänglich eingeführte Tracht wird bereits 1907 durch eine eigne, ortstypische Festtracht ersetzt. Seitdem sind die Musikanten unverkennbar mit dem roten „Leibl“, dem auffallend großen Hemdkragen, dem mit Federkiel bestickten Gurt und dem Spielhahnstoß auf dem Hut.

"Toblacher Tracht" seit 1907

Die schwere Kriegszeit ist auch für die Musikkapelle ein großer Einschnitt. Musikanten müssen einrücken, die wirtschaftliche Lege verschlechtert sich und die Tätigkeit des Vereins muss auf ein Minimum reduziert werden. Nur mehr die wichtigsten kirchlichen Anlässe werden von einer kleinen Gruppe von Knaben und alten Männern umrahmt. Es gelingt aber, dass sich der Verein während der ganzen Kriegsjahre nie vollständig auflöst.

Eine bestimmte Entspannung bringen die Jahre der Zwischenkriegszeit. Der Tourismus erholt sich, mit neuem Schwung werden See- und Tanzfeste umrahmt und zahlreiche Abendkonzert abgehalten. Geprägt sind diese Zwischenkriegsjahre aber vor allem vom aufkommenden Faschismus und der starken Einschränkung der Tiroler Lebensweise. Vieles ist strengstens verboten, das Spielen traditioneller österreichischer Märsche, das Abhalten von Tiroler Volksfesten sowie das Tragen der Tracht. Auch steht die Tätigkeit des Vereins unter der ständigen Kontrolle des Podestà und vermehrt gehört die Umrahmung von Staatsfeiertagen zur unliebsamen Pflicht.

Die Kriegsjahre

In den Nachkriegsjahren investieren die Musikanten viel Energie und Zeit dem Verein nach den schwierigen und kargen Kriegsjahren wieder auf die Beine zu helfen. Durch eine ins Leben gerufen Holzsammelaktion und den Verkauf der spendierten Bäume etwa gelingt es, nötiges Geld für Reparaturen und Neuankäufe von Instrumenten und Trachten aufzubringen. Der finanziellen Besserung folgt bald auch eine musikalische Weiterentwicklung. Die Zahl der Mitglieder steigt, es wird viel geprobt, erste Tonbandaufnahmen gemacht und zahlreiche Reisen mit Konzerten organsiert. Dass das musikalische Niveau steigt, zeigt sich auch am guten Abschneiden bei verschiedenen Wertungsspielen. Wichtige Fortschritte aus organisatorischer Sicht sind vor allem die Vergrößerung des Probelokals und die Realisierung eines Konzertpavillons für die Platzkonzerte Mitte der 60er.

Neuer Aufschwung

Mit der Gründung der Musikschule Bruneck im Jahr 1961 entsteht auch für die Toblacher Jungmusikanten die Möglichkeit Musikkurse des Instituts für Musikerziehung zu besuchen. Diese Möglichkeit bewirkt eine fundierte Ausbildung in den Reihen der Kapelle, wobei sich vor allem die theoretische Ausbildung verbessert. Aus geselliger Sicht ist in diesen Jahren die Reise nach Belgien im Jahr 1976 ein Höhepunkt. Eine ganze Woche ist die Kapelle in verschiedenen Städten Belgiens unterwegs, gibt Tiroler-Abende und nutzt gleichzeitig die Möglichkeit verschiedenste Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Musikalisch gesehen ist das erste Frühjahrskonzert im Jahr 1986 im neuerrichteten Probe- und Konzertsaal im Gebäude der Grundschule hervorzuheben. Dies ist der Beginn der jährlichen Tradition sich einmal im Jahr besonders intensiv auf ein festliches Konzert vorzubereiten und einem zahlreichen Publikum zu präsentieren.

Das Festkonzert als neuer Höhepunkt im Vereinsjahr

Um in Zeiten mit steigenden Freizeitangeboten und wachsenden Möglichkeit mit Blasmusik weiterhin zu begeistern und die Jugend dafür zu gewinnen, ist es wichtig, sich auf bestimmte Entwicklungen einzulassen und neue Modelle zu etablieren. Dies gelingt der Musikkapelle in den letzten 25 Jahren sehr erfolgreich. Das gespielte Repertoire umfasst längst nicht mehr nur traditionelle und klassische Klänge, auch setzt die Vereinsführung verstärkt darauf neue Konzertformate auf die Bühne zu bringen. So spielt die Kapelle eine Fastenkonzert und ein Gemeinschaftskonzert mit der Musikkapelle St. Georgen, bei dem weit über hundert Musikanten gemeinsam musizieren. Neue Konzepte verfolgt man auch in der Jugendarbeit. 1997 wird die Jugendkapelle JUKA Toblach gegründet, 2012 die Bläserklasse Toblach und beide mit dem Ziel die Jugend anzusprechen und sie für gut gespielte Musik zu begeistern.

Die Musikkapelle wird jung und modern